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Wer waren die „Wikinger“?

Moin liebe Kinder und liebe Erwachsene,

wir freuen uns, dass Ihr heute das Welterbe Haithabu und Danewerk besucht. Sehr wahrscheinlich habt Ihr schon eine Vorstellung darüber, wer die Wikinger waren. Oft denken die Leute, dass Wikinger wilde Räuber mit Hörnern an den Helmen waren. Das stimmt aber nicht ganz. Räuber … naja manchmal, aber sie hatten definitiv keine Hörner an den Helmen.

Der Begriff »Wikinger« bezieht sich auf das alte Wort »viking«, also für Menschen, die mit ihren Schiffen auf Raubzüge fuhren (»auf Wiking fahren«). Mit »Wikingern« sind heute alle Nordeuropäer in der historischen Periode der Wikingerzeit (8. – 11. Jahrhundert) gemeint. Ein »Volk der Wikinger« hat es aber nie gegeben!

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Wie lebten die Wikinger?

Vor tausend Jahren, zur Zeit der Wikinger, war Haithabu eine der größten Handelsplätze Nordeuropas. Sie lag, gut von der Schlei und dem Danewerk geschützt, an der schmalsten Stelle des heutigen Schleswig-Holsteins. Hier blühte der Handel: Die Menschen boten ihre Waren auf den Landungsbrücken an. Vom Hafen aus konnte dann die ganze Welt erreicht werden.

Heute liegt der größte Teil Haithabus geschützt unter der Erde. Archäologen können durch Ausgrabungen und andere Forschungsmethoden Vieles über das damalige Leben herausfinden.

Der Hafen war ein wichtiger Bestandteil von Haithabu. Hier kamen Händler mit ihren Schiffen an und luden ihre Waren auf Karren um. Die Landebrücken dienten auch gleichzeitig als Marktplatz, hier verkauften oder tauschten viele Reisende oder Handwerker ihre Produkte.

Wie fühlt es sich an, in einem Wikingerhaus zu leben? In Haithabu stehen sieben Wikingerhäuser, die ihr besuchen könnt. Diese sind aber Rekonstruktionen. Sie wurden anhand von Forschungsergebnissen in Haithabu nachgebaut. Zur Wikingerzeit standen in Haithabu natürlich viel mehr Häuser.

Um Haithabu herum wurden fünf Runensteine gefunden. Sie berichten von einzelnen Personen, die vor mehr als 1000 Jahren mit Haithabu zu tun hatten. Besuche sie doch einmal! Die verwendete Runenschrift der Wikingerzeit wird als »Jüngeres Futhark« bezeichnet und besteht aus 16 Zeichen. Schreiben konnten nur wenige Menschen, sodass sich die Runenmeister, die die Steine ritzten, häufig selbstbewusst mit ihrem Namen verewigten.

In Hollingstedt lag vor über 1.000 Jahren der Nordseehafen Haithabus. Die Schiffe kamen von der Nordsee über die Eider und Treene bis hierher. Wollten die Händler ihre Waren an die Ostsee bringen, mussten sie diese auf dem Landweg 16 km zwischen Hollingstedt und Haithabu mit Ochsenkarren transportieren.


Danewerk

Das Danewerk bestand aus Erdwällen, Holzpalisaden, Gräben und Steinmauern und markierte bis ins späte Mittelalter die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland. Der insgesamt 27 km lange Wall ist heute noch an vielen Stellen in der Landschaft zu erkennen.

Bist Du schon mal am Danewerk entlang gewandert?
Früher war das Danewerk ein Schutzwall und wurde bereits im 5. Jahrhundert errichtet. Später wurde es immer wieder erweitert und umgebaut, besonders in der Wikingerzeit. Die Händler konnten so geschützt von der Nordsee oder Ostsee nach Haithabu und zurück gelangen.

Der heute trockengelegte Dannewerker See wurde als natürliches Hindernis im Verteidigungssystem des Danewerks genutzt. Haupt-, Nord- und Verbindungswall endeten jeweils wohl an der ehemaligen Seeuferkante.

Im Mittelalter (ab 1170) verstärkte König Waldemar I. zum Schutz seines dänischen Reiches den Hauptwall des Danewerks mit einer dicken Ziegelsteinmauer. Ziegelsteine waren damals eine Neuheit und der Bau der wohl fast 4 km langen und ca. 6 m hohen Mauer sollte seine Macht demonstrieren. Ab dem 13. Jahrhundert wurde die Mauer nicht mehr gebraucht und immer mehr Steine als Baumaterial für Häuser verwendet. Auch wenn sie heute nur noch als Ruine zu sehen ist, ist die Waldemarsmauer in Nordeuropa eines der größten und ältesten Bauten aus Ziegelsteinen.

Von der Schanze XIV hast Du einen guten Ausblick: Die Schanze ist viel jünger als das restliche Danewerk. Sie wurde im zweiten Schleswigschen Krieg im 19. Jahrhundert, zusammen mit 26 anderen Schanzen als Befestigung gebaut. Das dänische Militär wollte die Bastionen in Verbindung mit dem ursprünglichen Danewerk nutzen, um gegen Angriffe der Österreicher und Preußen gewappnet zu sein. Sie wurde 2001 von deutschen und dänischen Pionieren wiederaufgebaut.

 

Welterbestätten sind wichtige Zeugnisse der Natur und vergangener Kulturen, die zum Erbe der gesamten Menschheit gehören. Gemeinsam ist ihnen der außergewöhnliche universelle Wert. Die UNESCO beschloss 1972 mit der Welterbekonvention, dass »Teile des Kultur- oder Naturerbes von außergewöhnlicher Bedeutung sind und daher als Welterbe der ganzen Menschheit erhalten werden müssen.« Der Archäologische Grenzkomplex von Haithabu und Danewerk wurde 2018 in die Welterbeliste des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt eingetragen.