Zeugnis der Wikingerzeit

Ein außergewöhnliches Zeugnis der Wikingerzeit

UNESCO-Welterbestätten erzählen von der Vielfalt der menschlichen Geschichte und unserer Erde. Als materielle Hinterlassenschaften zeugen sie von gesellschaftlicher Entwicklung und erzählen von lebendigen und vergangenen Traditionen und Zivilisationen.

Haithabu und Danewerk sind außergewöhnliche Zeugnisse einer vergangenen Zivilisation und herausragende Zeugnisse einer Architektur, die für eine besondere geschichtliche Epoche steht. Haithabu und Danewerk sind als Fernhandelszentrum (Emporium) und Grenzbefestigung herausragende Zeugnisse der Wikingerzeit (8.–11. Jh. n. Chr.). Aufgrund ihrer besonderen Lage wurden sie bedeutsam als Grenze, für den Handel und schließlich als archäologische Quellen.

Der Handelsplatz Haithabu und die Wallanlagen des Danewerks sicherten an der schmalsten Stelle zwischen Ost- und Nordsee, der Schleswiger Landenge, das Grenzland zwischen Skandinavien und dem europäischen Festland. Diese besondere Lage ermöglichte einen intensiven Handel und den Austausch zwischen den Regionen.

Haithabu war mit dem Danewerk verbunden, das als Grenzbefestigung diente und von dänischen Königen über Jahrhunderte immer wieder ausgebaut wurde. In dieser Grenzregion blühte Haithabu auf und entwickelte sich zum zentralen Handels und Verkehrsknotenpunkt in Nordeuropa.

Heute ist Haithabu für uns ein Musterbeispiel für ein frühstädtisches Handelszentrum. Das außergewöhnlich gut erhaltene archäologische Material dient der Wissenschaft als Quelle für viele wichtige Erkenntnisse zur Wikingerzeit.

Danewerk und Haithabu stehen heute für die enge Zusammenarbeit und das Zusammenleben von Dänen und Deutschen in der Grenzregion.


Erhaltung und Erforschung

Ende des 11. Jahrhunderts trat Schleswig die Nachfolge von Haithabu an. Das verlassene Handelszentrum wurde nie überbaut. Der Großteil der Siedlung (etwa 95 %) liegt noch geschützt unter der Erde. Das bietet der archäologischen Forschung eine Vielzahl an Möglichkeiten, unterschiedlichen kulturhistorischen Fragestellungen nachzugehen. Daher nimmt Haithabu eine Schlüsselposition in der Erforschung der Wikingerzeit ein.

Das Danewerk wurde über viele Jahrhunderte in verschiedenen Bauphasen und Abschnitten errichtet. Im Zuge des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864 reaktivierten es die Dänen durch den Bau von Schanzen. Diese sind klar von den älteren Teilen des Walles zu unterscheiden. Nur sehr wenige Bereiche des Danewerks sind bisher durch Grabungen untersucht.


Wer sind die Wikinger?

Der Begriff »Wiking« wird unterschiedlich benutzt: historisch in der »Wikingerzeit« und modern seit dem 19. Jahrhundert. Die ursprüngliche Bedeutung ist von Runensteinen und anderen schriftlichen Quellen bekannt. Darin bezieht sich das Wort »Wiking« auf Handel, Raubzüge und Kriege, die fern von der Heimat stattfinden.

Wikinger sind deshalb Seefahrer, die »auf Wiking fahren«. Der Begriff bezeichnet kein Volk und keine Ethnie. Mit »Wikinger« sind heute alle Nordeuropäer in der historischen Periode der Wikingerzeit (8. – 11. Jahrhundert) gemeint und alle altnordisch sprechenden Menschen mit einer ähnlichen materiellen Kultur.

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